Inmitten des Kurviertels der hessischen Landeshauptstadt, zwischen Theatre Kolonnaden und Staatstheater, erhebt sich das Kurhaus Wiesbaden — ein Prachtbau der deutschen Belle Époque, errichtet 1907 nach Plänen des Berliner Architekten Friedrich von Thiersch. Die von korinthischen Säulen flankierte Eingangshalle, der Muschelsaal, der Christiansaal und die Spielsäle im Obergeschoss zählen zu den kulturhistorisch bedeutendsten Innenräumen Deutschlands. Die Spielbank Wiesbaden bespielt seit 1949 die historischen Räume und ist heute eine der traditionsreichsten Spielstätten im deutschen Bundesstaat.

Dostojewski besuchte Wiesbaden mehrfach zwischen 1862 und 1865 — die existenzielle Auseinandersetzung mit dem Spielen, die sich in „Der Spieler" (1866) niederschlug, entstand in diesen Räumen. Die literarische Bedeutung von Wiesbaden für die europäische Moderne ist somit unbestritten.

Architektur und Geschichte

Der Vorgängerbau — das sogenannte „alte Kurhaus" von 1810 — existierte bereits zu Dostojewskis Zeiten; er wurde jedoch für den Ausbau zur repräsentativen Bäderstadt abgerissen, um Friedrich von Thiersch's monumentalen Neubau Platz zu machen. Der heutige Bau, eröffnet am 11. Mai 1907 durch Kaiser Wilhelm II., war in seiner Entstehungszeit mit 6,1 Millionen Goldmark das teuerste öffentliche Bauvorhaben Deutschlands.

Im Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt geblieben, diente das Kurhaus nach 1945 zunächst der amerikanischen Militärverwaltung, bevor die Spielbank 1949 eröffnete. Bis in die 1980er Jahre war das Haus einer der zentralen gesellschaftlichen Treffpunkte der Rhein-Main-Region; mit der umfassenden Kurhausrenovierung 1984–1987 wurden die historischen Säle in ihren ursprünglichen Zustand zurückgeführt.

Die Säle

Das klassische Spiel findet im Spielsaal und den angrenzenden Räumen im oberen Stockwerk des Kurhauses statt. Hier dominiert das Erscheinungsbild der Jahrhundertwende: hohe Decken, klassizistische Stuckdecken, Kristalllüster, dunkles Parkett. Der Raum ist disziplinierter und zurückhaltender gestaltet als Baden-Baden — weniger französische Opulenz, mehr preußisch-wilhelminische Strenge.

Für Roulette stehen mehrere Tische bereit; Blackjack und Poker werden ebenfalls angeboten. Der separate Automatensaal — im Erdgeschoss untergebracht — öffnet früher als das klassische Spiel und wendet sich an ein breiteres Publikum mit entspannter Kleiderordnung.

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Kleiderordnung, Zutritt, Öffnungszeiten

Im klassischen Spiel gilt gehobene Abendgarderobe: Herren mit Jackett (Krawatte wird gern gesehen, nicht zwingend), Damen in Abendkleid oder vergleichbarem. Im Automatensaal ist gepflegte Freizeitkleidung ausreichend. Zutritt ab 18 Jahren — gegen Vorlage eines Lichtbildausweises — im klassischen Spiel; der Automatensaal folgt denselben Regelungen.

Die exakten Öffnungszeiten variieren saisonal und sollten vor Besuch auf der Website des Betreibers geprüft werden. Als Richtwert: Automatensaal ab Nachmittag, klassisches Spiel ab frühem Abend, Schluss nach Mitternacht.

Hotels im Kurviertel

1

Hotel Nassauer Hof

Kaiser-Friedrich-Platz 3–4 · direkt gegenüber dem Kurhaus

Das Grand Hotel Wiesbadens, eröffnet 1813, heute im Verbund Hommage Luxury Hotels. Klassische Zimmer mit Blick auf den Kaiser-Friedrich-Platz, der Spa-Bereich mit dem hoteleigenen Thermal-Brunnen. Für Besucher des Kurhauses die kürzeste Fußverbindung — unter einer Minute.

2

Radisson Blu Schwarzer Bock

Kranzplatz 12 · 4 Minuten Gehweg

Ältestes Grand Hotel Europas (gegründet 1486 als Badehaus). Historische Substanz wurde in Teilen erhalten, Zimmer sind modern eingerichtet. Die Lage am Kranzplatz mit den Thermalquellen ist historisch bedeutsam und erhöht den Wert des Aufenthalts.

3

Dorint Pallas Hotel

Auguste-Viktoria-Straße 15 · 6 Minuten Gehweg

Modernes Business-Hotel mit großzügigen Zimmern und Spa. Weniger historischer Tiefe als die beiden vorstehenden Häuser, aber funktional tadellos. Die Anbindung an das Kurhaus ist über den Kurpark bequem zu Fuß möglich.

4

Hotel Oranien

Platter Straße 2 · 10 Minuten Gehweg

Familiär geführtes Mittelklasse-Haus im Kurviertel. Für Reisende, die eine qualitätsorientierte Übernachtung im bürgerlichen Segment suchen, eine solide Empfehlung.

5

Motel One Wiesbaden

Kaiser-Friedrich-Ring 61 · 12 Minuten Gehweg

Für budgetorientierte Reisende. Standard-Motel-One-Ausstattung in moderner Gestaltung, zentral gelegen.

Anreise

Wiesbaden ist per S-Bahn und Regionalbahn aus Frankfurt (Hauptbahnhof, 35 Minuten) oder Mainz (15 Minuten) erreichbar. Der Frankfurter Flughafen ist per S-Bahn in rund 30 Minuten zu erreichen. Der Bahnhof Wiesbaden Hauptbahnhof liegt 12 Minuten zu Fuß vom Kurhaus entfernt.

Mit dem Auto über die A66 (Abfahrt Wiesbaden-Dotzheim) etwa 20 Minuten ins Zentrum. Parkmöglichkeiten direkt an der Spielbank im Parkhaus Kurpark und in umliegenden Tiefgaragen.

Kulturelles Umfeld

Wiesbaden ist für seine Thermalquellen, das Museum Wiesbaden (Landesmuseum Hessen), das Hessische Staatstheater und das klassizistische Stadtbild bekannt. Ein Aufenthalt lässt sich gut mit Ausflügen ins Rheingau (Weinregion) oder nach Mainz kombinieren.

Fazit

Die Spielbank Wiesbaden ist die nüchternere, kühlere Schwester Baden-Badens — weniger Rokoko-Opulenz, dafür wilhelminische Großbürgerlichkeit. Für Reisende, die die Rhein-Main-Region besuchen und klassisches Casino-Ambiente in historischem Rahmen erleben möchten, ist Wiesbaden eine erstklassige Adresse. Die zentrale Lage der Stadt — zwischen Frankfurt-Flughafen und Rheingau — macht sie auch als Kurz- oder Wochenendziel attraktiv.

Weitere deutsche Spielbanken: Baden-Baden, Berlin, Hamburg.

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